Gipfelsprint Blog Start-Up Accelerator

Start-Up Accelerator unter der Lupe

Start-Up Accelerator, Business Incubator, Gründungsberatungen und ein Meer aus Consulting-Angeboten. Institutionen und Programme, die Gründer:innen dabei unterstützen möchten erfolgreich durchzustarten gibt es viele. Heute stellen wir euch vor, was ein Start-Up Accelerator ist und welche Vorteile Start-Ups von dem Durchlaufen eines Acceleration Programms erwarten können.

Statistiken der International Business Innovation Association zeigen, dass es weltweit bereits 2018 über 7.000 verschiedene Acceleratoren und Inkubatoren gab. Die Tendenz: stark steigend. Doch was steckt dahinter und wie unterscheiden sich gerade diese beiden Typen voneinander?

Inkubator vs Accelerator

Während es Inkubatoren vereinzelt bereits seit den 50er-Jahren gibt, sind Accelerator ein noch eher junges Konzept. Der erste große bekannte Accelerator ist Y-Combinator. 2005 von Paul Graham, Jessica Livingston, Trevor Blackwell und Robert Tappan Morris gegründet unterstützt Y-Combinator Gründerteams im Silicon Valley – 2021 erstmals auch remote in einer rein digitalen Version, um der aktuellen Covid-19 Situation gerecht werden zu können. Aus den Start-Ups, die ihre ersten Schritte gemeinsam mit Y-Combinator unternahmen sind unter anderem die Unternehmen Airbnb, reddit und Dropbox hervorgegangen. Der Gesamtwert der mittlerweile über 500 geförderten Firmen wird auf circa 7,8 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Übersetzt bedeutet Accelerator so viel wie „Beschleuniger“ – beschleunigt werden soll die Entwicklung des jeweiligen Start-Ups. Wie dieser Prozess abläuft, hängt jedoch stark vom jeweiligen Programm ab. Grundlegende Gemeinsamkeiten gibt es trotzdem: Während Inkubatoren die Entstehung und Entwicklung von Ideen fördern und dabei in der Regel keiner zeitlichen Begrenzung unterliegen, sollten Gründer:innen, die sich bei einem Accelerator bewerben möchten, schon etwas weiter sein. Team und Konzept müssen bereits stehen, auch wenn diese sich im Laufe des Programms noch ändern können und idealerweise gibt es auch schon einen Prototyp oder ein Minimum-Viable-Product (MVP).

Der Ablauf

Die Bewerbung ist meistens frei zugänglich, kann jedoch je nach Anzahl der Bewerber hart umkämpft sein, sodass Annahmequoten von unter 2% keine Seltenheit darstellen. Doch nicht nur die Anzahl der Bewerber spielt im Annahmeprozess eine Rolle: Auch Kriterien wie Konzept, Marktpotential und Expertise der Gründer:innen werden berücksichtigt um die erfolgversprechendsten Kandidaten herauszufiltern. Die Annahme in ein Acceleration Programm stellt dadurch bereits erstes proof of concept dar und kann dem Team das nötige Selbstvertrauen geben, um das Produkt weiterzuentwickeln und erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Einmal angenommen, durchlaufen die Gründer:innen ein intensives Coaching-Programm, das in der Regel auf 3-6 Monate begrenzt ist. Dabei werden Produkt- und Marktstrategie entwickelt und häufig auch die Netzwerke der Accelerator angestoßen, um geeignete Business-Partner zu finden. Auch der Austausch mit anderen Teams, die gerade das Programm durchlaufen – oder bereits durchlaufen haben – ist oftmals ein integraler Teil. So können Erfahrungen ausgetauscht und wertvolle Kontakte geknüpft werden. Viele Programme enden schlussendlich in einem „demo-day“ an dem die Gründer:innen ihr fertiges Produkt pitchen dürfen.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Programmen liegen darin, dass einige Accelerator bereits ein Cash-Investment in das Start-Up leisten, zusätzlich zum Coaching auch Räumlichkeiten anbieten oder sich auf ein bestimmtes Themenfeld wie zum Beispiel die Automobilbranche spezialisiert haben.

Wie profitieren die Start-Ups?

Forschung zum Nutzen der Programme gestaltet sich oftmals als schwierig, da es nicht einfach ist an die notwendigen Daten zu kommen und die Vorstellung davon, was ein Start-Up „erfolgreich“ macht bei den Autoren verschiedener Studien teilweise weit auseinandergehen. Dennoch konnten auf dem Gebiet Erfolge verbucht werden: Ein 2019 vom Department for Business, Energy & Industrial Strategy in Großbritannien in Auftrag gegebener Report, konnte durch die Meta-Analyse bisheriger Studien und eigener weiterer empirischer Untersuchungen zeigen, dass die Teilnahme an einem Acceleration Programm sich positiv auf sowohl die Überlebensrate, den Zuwachs an Mitarbeitern als auch die Beschaffung von Geldmitteln von Start-Ups auswirkt.

Interessant dabei ist insbesondere, dass eine 2014 veröffentlichte Studie, die zu dem gleichen Ergebnis kam, darüber hinaus herausfand, dass dieser Effekt ebenfalls dann auftritt, wenn die Teams bereits über Erfahrung in der Gründung von Start-Ups verfügen oder eine formale Ausbildung im Entrepreneurial-Bereich genießen konnten. Sie schließen daraus, dass Accelerator durch die Kombination aus Expertise, Netzwerk und formaler Struktur einzigartige Effekte hervorrufen, die sich nicht durch reines Wissen ersetzen lassen.

Zurück zur vorherigen Seite