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New Work

In Zeiten von Homeoffice und erzwungener Digitalisierung entwickeln sich Konversationen zwischen Kollegen oder auf Social-Media zu einem regelrechten Buzzword-Bingo. Arbeitsplatz 4.0, Disruption, Agiles Arbeiten oder Design Thinking sind nur einige wenige Begriffe, die häufig fallen. „New Work“ wird dabei oftmals als Sammelbegriff für viele der Konzepte verwendet und wir wollen euch erklären, wo der Begriff herkommt, wie er sich seitdem weiterentwickelt hat und was Zufall oder Coworking damit zu tun hat.

Der Ursprung

New Work ist ein Konzept, das ursprünglich in den 70er Jahren von dem österreichisch-US-amerikanischen Philosophen Frithjof Bergmann entwickelt wurde. Bergmann stellte fest, dass Sozialismus ausgedient hatte und setzte sich intensiv mit dem Kapitalismus auseinander im Bestreben ein Gegenmodell zu entwerfen. Ergebnis war New Work – Modell einer Sozialutopie und angestrebte Zukunft der Arbeitswelt.

Die Basis für seine Thesen bildet das Verständnis darüber, dass die klassische Lohnarbeit ein Ergebnis der Industrialisierung ist und die Arbeit von heute (und morgen) grundsätzlich andere Anforderungen an Arbeitnehmer und Arbeitgeber stellt, als dies bisher der Fall war. Vorrangiges Ziel der Lohnarbeit ist die zu erledigende Aufgabe, wofür sich der Mensch „selbst als Werkzeug, als Mittel zur Verwirklichung dieses Zwecks“ unterwirft.

Diesen Zustand möchte Bergmann umkehren, sodass das Ziel der Arbeit die Entwicklung und Selbstverwirklichung der eigenen Person ist, also der Mensch die Arbeit unterwirft und nicht umgekehrt. Anders als viele andere Philosophen zuvor stellt Bergmann die Selbstverständlichkeit in Frage, in der davon ausgegangen wird, dass Menschen grundsätzlich wissen, was sie wirklich wollen. Hierfür setzte er es sich zum Ziel sogenannte „Zentren für Neue Arbeit“ zu gründen, die den Arbeitnehmern dabei helfen sollen genau das herauszufinden.

New Work im Wandel

In den letzten 40 Jahren hat sich das Konzept weiterentwickelt, losgelöst von den ursprünglichen Thesen Bergmanns. Automatisierung und Digitalisierung führen uns heute mehr denn je vor Augen, dass sich die Arbeitswelt immer schneller verändert und bestehende Konzepte neu gedacht werden müssen. Sinnhaftigkeit rückt als Anforderung an den Beruf immer weiter nach oben und zu bearbeitende Probleme werden zunehmend komplexer. Das spiegelt sich auch in einer veränderten Erwartungshaltung an Führungskräfte wider: Immer häufiger wird sich im Gegensatz zur klassischen transaktionalen Führung, die auf dem klar regulierten Austausch von Leistung gegen materielle, oder immaterielle Bezahlung beruht, mehr transformationale Führung gefordert.

Transformationale Führung versucht die intrinsische Motivation von Mitarbeitern zu wecken, sodass im Rahmen einer gemeinsamen Vision die Ziele der Mitarbeiter, mit denen der Organisation übereinstimmen. Aufgabe der Führungskraft ist es dabei als Vorbild zu fungieren, sowie die Mitarbeiter zu inspirieren, zu motivieren, intellektuell herauszufordern und individuell zu fördern.

Doch nicht nur die Ansprüche an Arbeitgeber wandeln sich, auch Arbeitnehmer stehen vor neuen Herausforderungen. Durch automatisierte Prozesse und digitale Tools fallen einfache Tätigkeiten weg und was übrig bleibt erfordert in erster Linie Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Diese findet klassischerweise in Meetings statt – und das, obwohl der Großteil der Arbeitnehmer Meetings als zeitraubend und wenig zielführend empfindet. Eine Studie von OfficeTeam, die Beschäftige in Deutschland und der Schweiz befragte, kam zu dem Ergebnis, dass 60 Prozent der Befragten Unterbrechungen durch Meetings eher als belästigend empfand. Rund 25 Prozent der Personalmanager gaben an, dass mindestens jede zweite Besprechung überflüssig oder unproduktiv ist.

Die Macht des Zufalls

Ein Aspekt, der in dem strukturierten Wissensaustausch in Meetings deutlich zu kurz kommt, ist der Zufall. Innovation und Entdeckung, die zunehmend entscheidend sind für Unternehmenserfolg, leben vom Zufall. Die Entdeckung Amerikas, des Klebstoffs sowie von Post-its waren alles Ergebnisse eines „glücklichen Zufalls“. Und auch wenn klar ist, dass sich der Zufall selbst nicht kontrollieren lässt, ist es zumindest möglich die Voraussetzungen dafür zu optimieren. Neue Ideen mit hoher Innovationskraft entstehen oft dort, wo sich Menschen zufällig begegnen.

Unter dem Begriff „Serendipity“, der das zufällige Entdecken etwas ursprünglich nicht Gesuchten beschreibt, ist es zum Trend geworden Arbeitsstätten so umzustrukturieren, dass sie an möglichst vielen Stellen genau diese zufälligen Begegnungen unter Mitarbeitern ermöglichen. Firmen, wie z.B. die Deutsche Lufthansa AG haben dafür einen „Marktplatz“ von 400m² eingerichtet an dem sich die Mitarbeiter treffen und austauschen können. Die Lage des Marktplatzes ist dabei so strukturiert, dass man möglichst häufig auf dem Weg von A nach B genau dort vorbeikommt.

Coworking als neue Arbeitsform

Und auch ein anderes Konzept profitiert stark vom Prinzip der zufälligen Begegnung: Coworking-Spaces. Coworking ist ein ursprünglich in den USA entstandenes Konzept, das, insbesondere durch die Start-up-Szene in Berlin gefördert, immer mehr Anwendung auch im europäischen Raum findet. Dabei handelt es sich um eine in der Regel täglich, wöchentlich oder monatlich mietbare Fläche, die Selbstständigen, Start-ups oder digitalen Nomaden einen flexiblen Arbeitsplatz zu einem deutlich geringeren Preis als ein Einzelbüro anbietet. Profitieren können die einzelnen Arbeitnehmer nicht nur von der Arbeitsfläche selbst, sondern auch von dem Mix an Expertise, der sich durch die vielen verschiedenen Personen ergibt, die in einem Coworking Hub arbeiten.

Auch immer mehr Arbeitgeber entscheiden sich im Rahmen eines „Open Innovation“ Prozesses dazu gezielt einzelne Mitarbeiter in Coworking Spaces zu entsenden, um durch dort entstehende Ideen und Projekte die Innovationskraft des eigenen Unternehmens zu stärken. Gestützt wird das Konzept von einer weltweit durchgeführten Befragung unter Coworking-Nutzern: 85% gaben an seit ihrem Wechsel in einen Coworking Space motivierter zu sein und sich besser mit anderen austauschen zu können. 60% der Nutzer gelang es durch den Umzug den eigenen Arbeitsalltag optimaler zu gestalten und im eigenen zu Hause besser entspannen zu können – und über 40% gelang es dabei sogar höhere Einnahmen zu erzielen, als das vor dem Wechsel zum Coworking der Fall war.

Auch wenn von den ursprünglichen Thesen Bergmanns nicht viel übriggeblieben ist, spricht man immer noch von Themen und Konzepten der „Neuen Arbeit“ und ein Gedanke bleibt: Arbeit durchlebt einen drastischen Wandel und Arbeitgeber, wie Arbeitnehmer müssen sich darauf einstellen flexibel zu bleiben und das eigene Handeln konstant zu reflektieren.

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